Mission beginnt dort, wo Christus größer ist als unsere Angst

Wieder Taiwan. Wieder Unterrichtsräume, Gespräche nach der Stunde, gemeinsame Gebete – und wieder die Erfahrung, dass Mission nicht zuerst aus großen Programmen besteht, sondern aus der sorgfältigen Arbeit am Evangelium.

In diesem Jahr durften wir, Szu-Chin und Tianji, am Theologischen Lutherischen Seminar in Taiwan zwei Kurse unterrichten: „Evangelium in einer pluralistischen Welt“ und „Einführung in die Missionswissenschaft“. Wir tun das dankbar und demütig. Denn wir kommen nicht als diejenigen, die auf alles eine fertige Antwort hätten. Wir kommen mit dem, was uns anvertraut ist: dem Evangelium von Jesus Christus und der Suche danach, wie es heute treu, verständlich und öffentlich bezeugt werden kann.

Gerade diese Frage wurde in Taiwan konkret. Die Gesellschaft ist pluralistisch: verschiedene ethnische Gruppen, Religionen, Kulturen und Geschichten leben nebeneinander. Für Christen entsteht daraus eine doppelte Herausforderung. Einerseits soll der Glaube nicht herrisch auftreten oder Menschen vereinnahmen. Andererseits darf er auch nicht in den privaten Bereich zurückgedrängt werden, als wäre das Evangelium nur eine persönliche Meinung ohne öffentliche Bedeutung.

Eine Studentin namens Deborra brachte diese Spannung eindrücklich zur Sprache. Sie erzählte, wie Christen in Taiwan lernen, ihren Glauben zurückhaltend zu leben: freundlich, aber vorsichtig; überzeugt, aber selten öffentlich. Im Unterricht lasen wir unter anderem Lesslie Newbigins „The Gospel in a Pluralist Society“ und Miroslav Volfs „Exclusion and Embrace“. Deborra begann zu verstehen, wie stark moderne Gesellschaften den Glauben in einen privaten Raum verweisen. Zugleich öffnete sich ihr durch Volf eine andere Perspektive: Christen sind berufen, Menschen jenseits der eigenen Grenzen zu lieben – nicht durch Zwang, sondern durch ein Zeugnis, das Wahrheit und Liebe zusammenhält.

Damit war nicht jede Frage gelöst. Wie spricht man vom Wahrheitsanspruch Christi, ohne arrogant zu wirken? Wie begegnet man religiöser Vielfalt, ohne beliebig zu werden? Wie liebt man den Fremden, ohne das Eigene preiszugeben? Aber gerade diese Fragen wurden zu theologischen Lernorten. Mission erschien nicht als Technik, sondern als geistliche Aufgabe: das Evangelium so zu artikulieren, dass es Christus bezeugt, den Menschen achtet und der Welt nicht ausweicht.

Diese Erfahrungen betreffen nicht nur Taiwan. Auch unsere Gemeinden in Deutschland stehen in einer pluralistischen Gesellschaft. Auch hier wird Glaube privatisiert. Auch hier fehlt es manchmal an theologischen Ressourcen, um sprachfähig, demütig und klar zu bleiben.

Darum verstehen wir unseren Dienst in Taiwan nicht als Einbahnstraße. Wir geben weiter, was wir empfangen haben – und lernen zugleich, was auch wir brauchen: eine Gemeinde, die das Evangelium nicht versteckt, nicht verwässert und nicht aufzwingt, sondern es öffentlich, liebevoll und mutig bezeugt. Mission beginnt dort, wo Christus größer ist als unsere Angst vor der Welt.

Mission beginnt dort, wo Christus größer ist als unsere Angst

Gebetsanliegen

  • Wir sind dankbar für den Kontakt zu einem jungen Chinesen, der gerne in Deutschland Theologie studieren und später nach China zurückkehren möchte.
  • Wir danken Gott, dass die Vorbereitungen für einen Podcast für chinesische Christinnen und Christen in Deutschland bereits gut vorangekommen sind und wir voraussichtlich im August starten können.
  • Bitte betet dafür, dass wir den jungen Chinesen gut und verantwortungsvoll begleiten können und Gott ihm Klarheit für seinen weiteren Weg schenkt.
  • Bitte betet dafür, dass Gott die weitere Entwicklung des Podcasts führt und dieser für viele Menschen in Deutschland zum Segen werden kann.
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