Wachstum braucht Zeit

Vor einiger Zeit hat meine Kollegin das Bild von Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsphasen verwendet, um unsere Arbeit hier zu beschreiben. Manche Menschen sind wie eine Knospe, die kurz davorsteht, sich zu öffnen. Andere stehen bereits in voller Blüte. Wieder andere gleichen noch einem kleinen Setzling, der erst vorsichtig Wurzeln schlägt. Dieses Bild beschäftigt mich immer wieder, weil es so gut beschreibt, wie Gott mit Menschen umgeht.

In letzter Zeit denke ich dabei oft an meine Freundin Isabel (Name geändert). Wir kennen uns schon seit über sieben Jahren und haben uns schon immer gut verstanden. Trotzdem blieben unsere Gespräche lange eher an der Oberfläche. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass Isabel vor allem eines braucht: gemeinsame Zeit. Wenn wir uns nur kurz auf einen Kaffee treffen, reden wir meist über den Alltag. Verbringen wir aber einen ganzen Nachmittag oder sogar einen ganzen Tag zusammen, verändert sich das Gespräch nach einigen Stunden und wird oft persönlicher. Wir sprechen dann über Sorgen, Fragen und Dinge, die uns wirklich beschäftigen. In solchen Momenten kann ich ihr mehr darüber erzählen, wer Jesus für mich ist und warum ich ihm vertraue. Gleichzeitig spricht Isabel dann auch offen darüber, was sie vom Glauben abhält und warum ihr manche Dinge schwerfallen. Diese Gespräche gehören inzwischen zu meinen Lieblingsmomenten mit ihr.

Seit ich verstanden habe, dass sie mehr Anlaufzeit braucht, nehme ich mir bewusst diese Zeit für sie. Früher hätte ich das vielleicht als Zeitverschwendung oder wenig effektiv empfunden. Aber Gott sieht das anders. Für ihn ist investierte Zeit keine Verschwendung, sondern oft die Voraussetzung für Wachstum. Ihm geht es weniger um Effizienz als um Menschen. Wenn ich an mein eigenes Verhältnis zu Gott denke: Wie häufig bestehen meine Gebete zunächst aus oberflächlichen Dingen. Ich beschwere mich über Kleinigkeiten oder rede um das herum, was mich eigentlich beschäftigt. Anstatt meine Sorgen wirklich an Gott abzugeben, halte ich lieber selbst die Kontrolle fest. Und trotzdem hört Gott sich geduldig meinen geistlichen Small Talk an. Wie ein Gärtner, der geduldig auf das Wachstum seiner Pflanzen wartet, ohne sie frustriert aufzugeben, wartet Gott darauf, dass ich bereit werde, tiefer zu gehen, ehrlich zu werden und ihm mein Herz zu öffnen. Er nimmt sich Zeit, bis ich soweit bin, dass ich nicht nur rede, sondern auch zuhöre und ihm erlaube, meine Gedanken und mein Herz zu verändern.

Das alles macht mir wieder neu bewusst: Menschen wachsen nicht auf Knopfdruck. Manchmal braucht es viele Stunden, Tage oder sogar Jahre gemeinsamer Zeit, bis jemand bereit ist, über die wirklich wichtigen Dinge zu reden. Gott hat diese Geduld mit uns – und ich möchte lernen, dieselbe Geduld mit den Menschen um mich herum zu haben.

Wachstum braucht Zeit

Gebetsanliegen

  • Danke für die Freundschaft mit Isabel und die offenen Gespräche, die in letzter Zeit entstanden sind.
  • Bitte um Geduld und Weisheit für mich – zu erkennen, wann ich reden und wann ich zuhören sollte.
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