Das Alte Testament für die Me’en – das Neue Testament für die Suri
Liebe Gemeinde!
Im vergangenen Quartal waren unsere Me’en-Übersetzer Bayyo, Daawiit und Bärgua in Addis Abeba und prüften mit mir via Videokonferenz ihre Übersetzung des 2. Samuelbuches. Wir schafften miteinander das komplette Buch und auch noch einige Kapitel ihres Entwurfs des Propheten Jesaja, sodass wir jetzt im neuen Jahr dort weitermachen. Für drei Wochen kamen wir täglich von 7.30 bis 15.00 Uhr online zusammen. Grundlage unserer Prüfungsarbeit ist ja immer der hebräische Text, und wir nutzen unter anderem auch verschiedene amharische und englische Übersetzungen. Inhaltlich geht es im 2. Samuelbuch ja um die Geschichte von König David, wie er seinen Heimatstamm Juda und dann auch die übrigen Stämme Israels führt und angesichts der Bedrohung durch die umliegenden Völker verteidigt.
Es ist beeindruckend, wie realistisch die Menschen in diesem biblischen Buch beschrieben werden. König David hat sein Leben unter die Führung Gottes gestellt. Aber es gab auch Zeiten, da ist er von dessen Weisungen abgewichen, worüber wir in Kapitel 11 ausführlich ins Bild gesetzt werden. Davids Vertrauter, der Prophet Nathan, hat seinen König klar mit dessen schwerem Verbrechen konfrontiert, sodass David seine Schuld eingestand. Die Aussagen solcher Texte sind auch für die Me’en sehr wichtig; durch die Worte, übersetzt in ihre Muttersprache, kommen sie in Kontakt mit Gottes ewigen Werten und werden ermutigt, diese in ihrem Alltag anzuwenden.
Die intensive Arbeit miteinander macht uns viel Freude und es ist eine besondere Zeit für alle; auch für Worku, der als Koordinator dieser Phasen die nötigen Räumlichkeiten organisiert. Er kümmert sich um die Internetverbindung und hilft den Übersetzern bei auftretenden Problemen mit ihren Computern. Er gehört nicht zum Volk der Me’en und spricht auch deren Sprache nicht, sondern fungiert als Verbindungsperson zwischen der Leitung Kirchenverbands, den Übersetzern und mir. Die Kirche wurde vor etwa 100 Jahren gegründet, ist mit über 10 Mio. Mitgliedern in 11.000 Gemeinden äthiopienweit aktiv und hat seit einigen Jahren die Leitung des Me’en-Projekts inne.
Bayyo erwähnte noch, dass zum Bezirk des Kale-Heywot Kirchenverbands im Me’en-Gebiet mittlerweile über 150 lokale Gemeinden gehören. Außerdem gibt es noch zahlreiche Me’en-Gemeinden, die unter zwei anderen Kirchenverbänden organisiert sind. Die drei Verbände arbeiten in evangelistischen Projekten zusammen. Daawiit leitet dort weiterhin Leseklassen für ältere Menschen. Die jüngere Generation, die ja seit 16 Jahren flächendeckend in den staatlichen Schulen in ihrer eigenen Sprache unterrichtet wird und Me’en als Schulfach durchläuft, könne in ihrer Gesamtheit ihre Muttersprache „perfekt lesen“, so Bayyo. Wir haben uns sehr über diesen aktuellen Lagebericht gefreut und denken gerne an die Zeit zurück, in der wir damals unter der Leitung unseres jetzigen Wycliffe-Ethiopia Direktors Tefera gemeinsam mit Faadschio und weiteren Me’en-Mitarbeitern für das Schulprogramm tätig waren.
Wir wollen auch weiter für die Suri in Südwestäthiopien und im Südsudan beten, dass die Übersetzung des Neuen Testaments nun im neuen Jahr wieder Fahrt aufnimmt. Wir hoffen, im nächsten Bericht von positiven Entwicklungen schreiben zu können.
Danke für eure Verbundenheit im Gebet und für alle Hilfe.
Gebetsanliegen
- Dank für das Voranschreiten der Übersetzung des Alten Testaments bei den Me’en und für die Treue der drei Übersetzer Bayyo, Daawiit und Bärgua.
- Bitte für die mehrwöchige Prüfungsphase im März, wenn ich mit dem Team ihren Me’en-Entwurf von Jesaja 32-66 durchgehen möchte.
- Bitte für die zahlreichen lokalen Me’en-Gemeinden: Woche für Woche werden sie von Gottes Wort berührt und geprägt; mögen die Jesus-Nachfolger und ihre Leiter als Lichter leuchten, auch in ihren Missions- und Evangelisationsprojekten in den Nachbargebieten.
- Bitte für die NT-Übersetzung in die Suri-Sprache, dass das Projekt wieder Fahrt aufnimmt; um Weisheit für unseren Kollegen Matthias vor Ort und für das einheimische Übersetzerteam.
