Mit Gott erlebt

Mein Name ist Oswald Heiny, 62 Jahre, verheiratet mit Regina, 3 erwachsene Söhne und 4 Enkel, seit November 24 Rentner. Ich kam 1986 zum Glauben an Jesus und gehörte 18 Jahre zum Ältestenkreis der Gemeinde.

Meine Leidensgeschichte begann vor 5 Jahren, als unser Sohn Andreas im Alter von erst 30 Jahren nach einer kurzen und schweren Krankheit auf der Intensiv-Station in Bad Nauheim verstarb. Dies war ein großer Schock für unsere ganze Familie, aber ganz besonders für mich, der ich eine besondere Beziehung zu Andreas hatte.

Ich habe dann einen großen Fehler begangen und bin, um mich abzulenken, recht schnell wieder arbeiten gegangen.
Eines Abends (meine Frau und ich waren im Wohnzimmer fernsehen) bekam ich meine erste Panikattacke, die in der Gestalt eines Herzinfarktes über mich kam. Wir riefen den Rettungsdienst an und ich kam in die Notaufnahme der Wetzlarer Klinik. Dort wurde mein Herz gründlich untersucht, aber keine Anzeichen für einen Infarkt gefunden.
Die Diagnose war vielmehr: nicht verarbeitete Trauer. Ich bekam zum ersten Mal in meinem Leben das Benzodiazepin Tavor, ein starkes Beruhigungsmittel (später dazu mehr). Ich konnte nachts nicht mehr schlafen ohne dieses Medikament. Manchmal irrte ich aber auch in der Nacht im Haus umher, weshalb meine Frau in dieser Zeit aus unserem Schlafzimmer auszog und in einem anderen Zimmer schlief. Sie musste ja am Morgen wieder zur Arbeit ins Gemeindebüro unserer FeG.

Bald schon folgte mein erster Psychiatrie-Aufenthalt in der Vitos-Klinik in Herborn. Ich bekam die Diagnose „schwere depressive Episode mit generalisierter Angststörung“. Dies äußerte sich bei mir hauptsächlich in ständiger innerer Unruhe, durch die ich nicht oder nur selten in der Lage war, am Tagesgeschehen und an den Therapien teilzunehmen. Ich brauchte immer mehr Medikamente und geriet schließlich in eine Abhängigkeit der Benzodiazepine.
Dies führte nach meiner Entlassung zu den typischen Merkmalen einer Sucht, nämlich Beschaffung bei verschiedenen Ärzten und Lügen gegenüber meiner Frau. Dies war sehr schlimm, da es natürlich unsere Beziehung belastete!

In der Folgezeit gab es noch weitere Klinik- und Reha-Aufenthalte, die aber auch keinen wirklichen Erfolg brachten.
Zweimal wurde ich disziplinarisch entlassen, weil ich mir eigenmächtig Medikamente besorgte, bzw. sogar aus dem Dienstzimmer der Station entwendete. Ich habe erleben müssen, wie eine Sucht den Menschen total verändert und er vor nichts zurück schreckt, seinen „Stoff“ zu besorgen.

Danach kam eine Phase, in der ich wieder zu arbeiten begann, allerdings immer noch unter starkem Einfluss von Medikamenten. In dieser Zeit habe ich sehr viel Bewahrung erlebt, da ich im Außendienst sehr viel im Auto unterwegs war. Irgendwann ging es aber dann nicht mehr, und ich wurde wieder krank geschrieben und war zuhause. Die Unruhe in mir konnte ich nur ertragen, wenn ich mich hinlegte, entweder auf dem Sofa oder im Bett. Unterbrochen wurde dies nur durch die Mahlzeiten.

In dieser Zeit und auch schon vorher gab ich meine Not an Freunde aus der Gemeinde als Gebetsanliegen weiter. Der Kreis der Beter wuchs im Lauf der Zeit und meine Situation wurde bei vielen in der Gemeinde bekannt. Ich nahm auch das Angebot der Gemeindeleitung Gebet der Ältesten nach Jakobus 5 in Anspruch.

Gott schien aber nicht zu reagieren?
Mein Leben blieb irgendwie hoffnungslos. Ich konnte nicht mehr in die Gottesdienste gehen, noch in unsere Kleingruppe. Ich konnte nicht mehr im Gottesdienst mitwirken (Musikteam oder Moderation) und auch nicht mehr am Abendmahl teilnehmen. Ich war zuhause in einer Art „Einzelhaft“. Meine Frau kam und ging und ich fühlte mich zuhause wie angekettet oder eingesperrt. In dieser Zeit entwickelte sich bei mir eine sogenannte „emotionale Taubheit“, d.h. ich konnte weder lachen noch weinen, im Gegenteil: wenn ich Menschen lachen hörte, war es für mich unerträglich.

An dieser Stelle möchte ich besonders meiner Frau danken, die mit viel Geduld das alles aushielt und sich nicht von mir abhalten ließ, ihrer Arbeit nachzugehen und die Gottesdienste und die Kleingruppe sowie andere Veranstaltungen der Gemeinde zu besuchen! Außerdem übernahm sie den ganzen Papierkram mit Krankenkasse und anderen Angelegenheiten, zu denen ich nicht mehr in der Lage war. Danken möchte ich auch all denen, die nicht aufgegeben haben, für mich zu beten.

Und so geschah vor einigen Wochen das Wunder: Ich musste mich tagsüber plötzlich nicht mehr hinlegen. Die Unruhe war fast gänzlich verschwunden! Ich bekam plötzlich wieder Antrieb, meiner Frau im Haushalt etwas zu helfen und draußen im Hof und Garten etwas zu arbeiten! Ich konnte wieder mit in den Gottesdienst gehen und an anderen Treffen der Gemeinde teilnehmen! Gott hat wirklich ein Wunder an mir getan! Dafür bin ich unendlich dankbar und es ist mit Worten kaum zu beschreiben!

Für solche Gebetserhörungen gibt es aber keine Garantie! Gott ist souverän! Er kann helfen, aber er muss es nicht. Gott ist kein Automat. Schon zur Zeit als Jesus auf der Erde war, heilte er auch nicht alle Kranken. Und auch heute bleiben Menschen und auch Christen krank und manche sterben ohne Wunder und „Happy-End“. Umso dankbarer bin ich, dass Gott nach langer Zeit spürbar und sichtbar eingegriffen hat. Was Ärzte nicht für möglich hielten oder andere Erklärungen dafür suchen, ist geschehen!

Am 27. Juli stand ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder auf der Bühne im Gottesdienst und habe der Gemeinde mit Gitarrenspiel und Gesang gedient! Ein Traum wurde wahr! Gott sei dafür geehrt und gepriesen!

Ich möchte alle ermutigen, die schon sehr lange für einen kranken Menschen oder ein anderes Anliegen beten, nicht zu resignieren, sondern weiter zu beten!

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